glaubensgeschichten 1Mein Leben, meine Geschichte – jeder lebt anders, jeder hat seine eigene Auffassung von Glauben. In diesem Format „Glaubensgeschichten“, möchte ich Menschen vorstellen, die besondere Biographien haben oder auf eine besondere Art und Weise ihren Glauben ausleben. Eine sehr besondere Geschichte ist die der Pilger Franz von Bujor und Heiko Gärtner.

Am Morgen des 20. Januars kam, sehr überraschend, der Anruf im Pfarrbüro Reichenbach mit der Frage, ob wir einen Schlafplatz für zwei Pilger hätten. Interessiert sagten wir zu und empfingen die beiden schließlich am Nachmittag. Doch Reichenbach ist natürlich nur ein kleiner Stopp auf ihrer Europareise, die sich bald zu einer Weltreise ausweiten soll: „Das Projekt ist insgesamt so, dass wir komplett zu Fuß durch jedes Land der Erde wandern wollen. Seit 6 Jahren sind wir jetzt in Europa unterwegs, haben bis auf Island und Zypern jedes Land in Europa auch einmal durchwandert und waren im letzten Jahr in Italien unterwegs. Kurz vor Weihnachten, haben wir die Alpen überquert und sind gerade auf dem Weg nach Frankreich, weshalb wir jetzt auch durch eure Ortschaft gekommen sind,“ erzählt Wandermönch Franz von Bujor.

Auf ihrer Europareise, die beachtliche Zahlen hervorruft („Wir sind jetzt seit dem 01.01.2014 unterwegs, 40.000 km gelaufen und haben ca. 48 Länder durchwandert, irgendwann hört man auf zu zählen“), wollen sie aber auch anderen helfen, was einer der Hauptgründe für den Beginn des Projektes war: „Wir haben in sehr vielen sozialen Projekten schon gearbeitet und haben irgendwann die Stumpfsinnigkeit darin auch erkannt. Wir haben immer überprüft, wie viel wirklich bei den Menschen ankommt, und haben uns Partnerprojekte ausgesucht, von denen wir relativ überzeugt sind. Diese profitieren durch unsere Werbung, die wir nach außen hin machen, und durch die uns viele Menschen verfolgen, die dann wiederum auf die Projekte aufmerksam werden,“ erklärt Heiko Gärtner.

Ihre Zeit und Motivation für soziale Projekte, das ist, was sie anderen geben können, die ihnen auf ihrer Reise helfen. Das ist auch ihr Beitrag zum Tauschhandel, durch den sie seit 6 Jahren ohne Geld überleben können. Doch der Wille, anderen zu helfen, reicht, laut Heiko Gärtner, nicht um solch eine Reise zu machen: „Die innere Motivation ist niemals, dass man nur soziale Projekte machen will. Du musst schon immer ein Abenteurer gewesen sein, sonst würdest du nach einem Monat aufhören - und das ist bei uns überhaupt nicht der Fall. Aber der größte Kernpunkt war, dass wir mehr Freude im Leben haben wollten.“

Vor allem die Geschichte von Franz von Bujor ist besonders, da er nicht nur Pilger, sondern auch Wandermönch ist. Die klassische Vorstellung von einem Mönch, der abgeschirmt von der Welt in einem Kloster lebt, erfüllt er gar nicht. Diese Lebensweise begründet er mit den Ursprüngen seines Franziskanerordens: „Ich bin Wandermönch, so haben die ersten Franziskanermönche auch angefangen, die hatten kein Kloster, sondern sind eben umhergezogen und waren immer für die Menschen da, wenn etwas gebraucht wurde, zum Reden oder Fragen zu beantworten. Als Franz von Assisi beschlossen hat, Mönch zu werden, wollte er so einfach wie möglich, nah an der Natur, nah an Gott leben. Man sagte eben, je mehr ich weglasse an Ablenkung, Besitztümern oder Freizeitbeschäftigung, desto mehr komme ich auf die Kernessenz, was Gott eigentlich ist. Wenn man heute offiziell in den Orden eintritt, darf man nicht so leben wie der Gründer. Und dann war meine Überlegung: Will ich offiziell auf dem Papier Mönch sein oder möchte ich leben? Ich habe mich für das Leben entschieden und bin kein Mönch, der Teil eines Klosters ist, sondern der der Ideologie des Franz von Assisi folgt.“

Durch den Umgang mit vielen verschiedenen Menschen, bekommen die beiden immer wieder Erkenntnisse über die wirklich wichtigen Dinge im Leben. So beschreiben sie die Begegnung mit einem Obdachlosen, der mit ihnen in einer Unterkunft gelebt hat: Sein Kollege wollte sich einen Tag zuvor töten und hat sich dann auch mit einer Überdosis umgebracht, das musste er irgendwie loslassen. Dann haben wir noch einige Stunden mit ihm verbracht, und er war dann auch beruhigt, dass wir bei einer Altenpflegerin zuhause untergekommen sind. Das war eine der menschlichen Begegnungen, weil er wirklich nichts hatte und so offen reagiert hat, als wärst du genau das, was er in diesem Augenblick benötigt." Dieser Obdachlose, dem es psychisch nicht gut ging und natürlich auch selbst kaum Materielles besaß, wollte nur das Beste für die beiden Pilger. Diese Erfahrung haben sie nicht immer gemacht, da vor allem die, die auf den ersten Blick am meisten haben, am ärmsten sind:
„Wir waren bei einem Multimilliardär, und der hat uns in sein Schloss eingeladen. Da war es A****kalt und es war Winter. Und dann bin ich zu ihm hingegangen und habe gesagt »Ich muss mich echt konzentrieren, ich kann bei der Kälte keinen klaren Gedanken fassen, hast du irgendwo einen Raum der beheizt ist? Dann meinte er »Heizen?! Weißt du, was das kostet, das kann ich mir doch nicht leisten.«“ Der Multimilliardär dachte immer noch, er müsste mehr sparen, hätte immer noch zu wenig Geld. Dem Obdachlosen würde ein Bruchteil seines Vermögens zum Leben reichen. Doch durch seine Situation weiß er, dass es Dinge gibt, die viel wichtiger als Geld sind.

„Wir haben die größte Armut bei Menschen erlebt, die reich sind. Geld ist einfach nur ein Stück Papier, das dich weder wärmt noch sonst irgendwas. Wir waren mal in Frankreich, und der Franz hat an der Tür gefragt ob irgendwer einen Schlafplatz hat. Da hat uns die Dame 20 Euro gegeben. »Es gibt hier keinen Laden, kein Hotel, ich kann nicht mal ein Feuer damit machen, um mich zu wärmen,“ meinte er dann. Die Menschen, die am wenigsten haben, geben am meisten. Oft sagt man das so, aber die beiden merken das immer wieder auf ihrer Reise.

Das war ein kurzer Ausschnitt aus der Glaubensgeschichte von Franz von Bujor und Heiko Gärtner. Aber auch andere lassen die beiden an ihren Erlebnissen und Erkenntnissen teilhaben. Wenn Ihr nun neugierig auf das Projekt geworden sind, könnt Ihr die beiden auf ihrer Website https://lebensabenteurer.de/ und ihrem Auftritt in den sozialen Medien begleiten und unterstützen. Wir wünschen den beiden Pilgern noch viele Erkenntnisse und weiterhin viel Glück auf ihrer Reise!

Dominik Kunzmann (FSJ)