Corona-Krise bewirkt neues kirchliches Leben in der Seelsorgeeinheit Waldbronn-Karlsbad
Dominik Kunzmann aus Karlsbad-Auerbach absolviert seit Januar ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) bei der Seelsorgeeinheit der katholischen Kirchengemeinde Waldbronn-Karlsbad. In diesem Bericht gibt der 19-Jährige einen Einblick in seine Tätigkeit und das Gemeindeleben in Zeiten des Coronavirus.

In Corona-Zeiten muss auch die Kirche neue Wege erkunden. Gottesdienste mit Besuchern können nicht mehr stattfinden, genauso wie Treffen der Gemeindemitglieder. „Gerade in dieser Zeit möchten die Menschen ihren Glauben leben“, sagt Kunzmann. Aus diesem Grund starteten die pastoralen Mitarbeiter einen Internet-Blog glauben-leben.sewk.de mit Denkanstößen, Gottesdienstvorlagen, Ausmalbildern für Kinder und vielem mehr. Im Videobeitrag „Sinn-Krisen“ erzählt Pastoralreferentin Ruth Fehling etwa die Emmaus-Geschichte über die Jünger, die sich nach Tod Jesu voll Trauer auf den Heimweg machen. Dort begegnen sie Jesus – erkennen ihn aber nicht. Sie erzählen von ihrem Leid, er erzählt ihnen vom „Sinn, mitten im Chaos“. „Was würden Sie Jesus erzählen wollen, wenn Sie jetzt mit ihm unterwegs wären?“, stellt Fehling den Zuschauern eine offene Frage und überträgt die biblische Geschichte ins Hier und Jetzt. Die Beiträge geben ihm in Corona-Zeiten „Ablenkung und ein Stück weit Normalität“, so Kunzmann. „Beiträge der pastoralen Mitarbeiter, die ich sonst im Gottesdienst gehört hätte, wie solche Impulse und Predigten, kann ich nun trotzdem sehen.“ Für Jugendliche habe man den Instagram-Account sewk_verbunden geschaffen.

Das Internet biete auch Vorteile, zieht Kunzmann eine Zwischenbilanz. So würden die Themen durch Bilder und Musik oder in Form von Videobotschaften noch lebendiger. Sogar auf die Kirchenmusik muss man nicht verzichten. Regelmäßig werden im Internet-Blog „Orgelgrüße“ veröffentlicht: Musikstücke, untermalt mit Fotos von Kirchengebäuden. Das sind, so Kunzmann, „musikalische Impulse, die den Alltag entschleunigen“. Zudem gibt es auf der Internetseite die Möglichkeit, Gebetsanliegen mitzuteilen für die Gottesdienste, die online übertragen werden. Ganz unterschiedliche Anregungen sind schon eingegangen: Gebete für kranke Menschen, für von der Krise besonders getroffene Berufsgruppen oder systemrelevante Arbeitnehmer, „dass sie die Kraft haben, ihren Job weiter auszuüben und dafür Anerkennung erhalten“, aber etwa auch für Deutsche, die in Neuseeland auf eine Rückflugmöglichkeit warten. Wer wollte, konnte ein Foto von sich einschicken, das dann an die Kirchenbänke geklebt wurde, sodass man „symbolisch“ dabei sein konnte, erklärt der Freiwilligendienstler. Das habe gezeigt, dass nicht nur die Kirche in dieser Zeit weiter da ist, sondern auch die Gemeinde. Die große Zahl der Opferlichter, die in der Kirche entzündet wurden, zeige, dass viele Menschen die Kirche auch weiterhin als Ort der Ruhe und der Hoffnung aufsuchten. Vor Ort hätten die pastoralen Mitarbeiter Vorlagen für Hausgottesdienste ausgelegt. Als sehr besonders habe er die Ostertage erlebt, berichtet Kunzmann. An allen Festtagen seien Andachten im Internet übertragen worden – nicht nur aus den großen Kirchen bundesweit, sondern auch ganz individuell „von unserem Pfarrer in unseren Kirchen“. Durch dieses vertraute Umfeld habe er wieder einen Hauch Normalität verspürt.

Selbst für die Hostienvergabe hat die Gemeinde an den Ostertagen einen Weg gefunden: Sie konnten in den Kirchen abgeholt werden oder wurden auf Nachfrage geliefert. Kunzmann betrachtete die Idee des Pfarrers zunächst skeptisch, „doch die Resonanz der Menschen zeigte, sie wollen und brauchen die Kommunion für ihr persönliches Osterfest“.

Mit „Glaubensgeschichten“ hat der junge Karlsbader sein eigenes neues Format geschaffen. In den Beiträgen, die auf der Internetseite der Seelsorgeeinheit unter www.sewk.de zu finden ist, interviewt er Menschen, die eine besondere Biografie haben oder ihren Glauben auf eine besondere Art und Weise ausleben. Der 19-Jährige hofft, dass einige der Dinge, die in der Corona-Zeit entstanden sind, auch danach erhalten bleiben: „Das Virus zwingt die Kirchen, umzudenken und neue Dinge auszuprobieren. Dieser Herausforderung hat sich unsere Gemeinde gestellt und bisher sehr gut gemeistert.“

dominik kunzmann bnn
Foto: T. Ret

 BNN, mit freundlicher Genehmigung der BNN, 22. April 2020