Pfarrer Torsten Ret eröffnet die Reihe „Waldbronn liest“ / Viele Zuhörer wollen den Geistlichen hören

In ihre fünfte Runde geht die sommerliche Reihe „Waldbronn liest“, die von der Waldbronner Buchhandlung LiteraDur getragen wird. Dabei lesen Waldbronnerinnen und Waldbronner an ihren Lieblingsplätzen aus ihren Lieblingsbüchern etwa eine Stunde lang vor.

Pfarrer Torsten Ret, der bereits im ersten Jahr und danach mehrfach mit dabei war, eröffnete am Mittwoch die Reihe für 2019. Geplant war die Lesung für den Pfarrgarten in Reichenbach, schnell wurde aber klar, dass dort die Plätze nicht ausreichten und ein Umzug auf den Vorplatz der Kirche nötig wurde. Stühle wurden unter Mithilfe vieler Besucher aus dem benachbarten Pfarrzentrum herangeschafft, sodass jeder der gut über 120 Zuhörer schließlich einen Sitzplatz hatte, als Elke Weirauch-Glauben, bei LiteraDur für die Reihe zuständig, begrüßte.

Pfarrer Torsten Ret stellte Ausschnitte aus zwei Büchern vor. Einmal von der jungen Schweizer Theologin Jacqueline Staub aus deren Buch „Kickt die Kirche aus dem Koma“ und von Harald Glööckler „Kirche, öffne dich!“ Gerade Glööckler mag in dieser Reihe – und mit diesem Thema – überraschen, das bekannte auch Ret, der ihn eigentlich eher als Paradiesvogel wahrgenommen hatte, ehe er sein Buch kennenlernte, das ihn tief beeindruckte und in dem Glööckler sich als feinsinniger, bekennender Protestant auswies. Beiden geht es um die Öffnung der Kirche. Hier sind sie sich in ihrer Kritik ähnlich. Glööckler bringt es auf den Punkt mit dem Satz: „Die Kirche hat ein geniales Produkt, aber sie schafft es nicht, es an die Menschen zu bringen!“ Staub ermuntert die Christen, entschlossener aufzutreten, denn das „gute Produkt“ nütze wenig, wenn die Doktrin alles erdrücke. Sie fordert deshalb von ihrer Kirche, dass sie sich den Veränderungen stellen müsse, um nicht noch mehr Gläubige zu verlieren. Vor allem die Jugend gelte es zu gewinnen.

Harald Glööckler sei ein sensibles Kind mit einem gewalttätigen Vater gewesen. Dennoch bezeichnet er sein Leben als „großartiges Geschenk“. Wenn ein Mensch gefallen sei, fordert Glööckler, sollten wir als Christen ihm mit „Verständnis. Liebe und Zuwendung“ aufhelfen. Zur katholischen Kirche hat er ein durchaus positives Verhältnis, sie „verkaufe sich aber grottenschlecht“!

Insgesamt, so sah es Pfarrer Ret am Ende, seien beide Bücher kein Abgesang auf die Kirche, sie zeigten vielmehr hoffnungsfrohe Aspekte auf.

Helmut Zahnleiter, BNN, 05.07.2019, mit freundlicher Genehmigung der BNN

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Kein Abgesang auf die Kirche VOR VIELEN ZUHÖRERN: Pfarrer Torsten Ret eröffnete im Vorhof der Reichenbacher Pfarrkirche die Reihe „Waldbronn liest“. Foto: Za