„Es geht heute um eine Information, nicht um Werbung für die Organspende. Hier gilt es nach unserer Kenntnis noch sehr viel aufzuklären“, so Unfallchirurg Jürgen Kußmann, Leiter des Reha-Zentrums am Entenfang, der den Marburger Bund im „Bündnis Organspende“ im Sozialministerium in Stuttgart vertritt. Hochkarätig auch die Besetzung des Podiums vor rund 250 Besuchern im voll besetzten katholischen Pfarrzentrum Ernst Kneis in Waldbronn.

Über die generationsübergreifend emotional geführte Thematik der Organentnahme referierten Christina Schleicher, Ärztliche Geschäftsführerin der Deutschen Stiftung Organtransplantation Baden-Württemberg (DSO), Stefanie Bientzle, leitende Oberärztin am Klinikum Karlsbad, Maren Springmann, Fachärztin am Städtischen Klinikum Karlsruhe, und Pfarrer Torsten Ret, gleichzeitig Notfallseelsorger, von der katholischen Kirchengemeinde. Bekräftigt wurde an diesem Abend vom Podium, dies sei vorweggenommen: Die Organspende ist freiwillig, eine rechtliche Verpflichtung lässt sich nicht ableiten.

„Jeder Dritte hat einen Organspenderausweis und laut Umfragen sagen 70 Prozent ja zur Organspende. Mit nur 800 Spenden im Jahre 2017 hatte man trotzdem einen Tiefstand erreicht. 2018 waren es rund 950“, so Christine Schleicher von der DSO. Derzeit warten etwa 10 000 Menschen auf ein Organ, davon 8 000 auf eine Niere. Neben der gesellschaftlichen Problematik zu diesem Thema sei ein großes Problem, dass die Krankenhäuser in diesem „extremen Intensiv-Bereich“ deutlich mehr Unterstützung bezüglich Personal, Pflegekräfte aber auch bei der Kostenübernahme brauchen, was von den beiden Krankenhausärztinnen Stefanie Bientzle und Maren Springmann bekräftigt wurde. Schließlich hatte Christina Schleicher eine klare Botschaft an das Publikum: „Entscheiden Sie zu Lebzeiten und dokumentieren Sie Ihren Willen zur Organspende mit einem klaren Ja oder auch Nein auf dem Spenderausweis. Gegebenenfalls mit einer vollumfänglichen Zustimmung, welches Organ entnommen werden darf“. Sehr wichtig sei es, diese Entscheidung auch mit der Familie oder dem engsten Umfeld zu besprechen. Wenn nichts dokumentiert ist, entscheidet die Familie.

Deutlich wurde auch in der Diskussion, dass trotz einer Zustimmung des Verstorbenen bei einem Veto der Verwandten in der Praxis auf eine Organentnahme verzichtet wird. Mit diesem Konflikt müsse man einfach umgehen und für die Angehörigen Verständnis haben, denn sie müssen später mit der Situation leben und diese bewältigen, betonte Pfarrer Ret, der sich selbst als Organspender sieht. In Sachen Organentnahme müsse sich die Human-Theologie an der aktuellen Wissenschaft orientieren. Aus christlicher Sicht sei die Bereitschaft zur Organspende nach dem Tod ein Zeichen der Nächstenliebe und Solidarität mit Kranken und Behinderten. „Ein neues Organ bietet geschenkte Lebenszeit“, so Ret. Eindrucksvoll bekräftigt wurde dies von dem heute 21-jährigen Studenten Dominik Kiefer, der 2013 ein neues Herz bekam und dem heute neunjährigen Moritz, dem mit acht Monaten eine Niere seines Vaters transplantiert wurde. Beide hätten keine Chancen zum Überleben gehabt.

Waldbronns Bürgermeister Franz Masino dankte dem Ökumenischen Bildungswerk Waldbronn-Reichenbach und der Kolpingfamilie für die Ausrichtung dieser Veranstaltung.

Gustl Weber
Mit freundlicher Genehmigung der BNN, 22.03.2019

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Fotos: Mirjam Bartberger